Ute Reeh

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dekfa 2011 - 2015

Die Suche nach einem "komplexen Problem mit unbekannter Lösung" als Ausgang für ein künstlerisches Projekt führte nach Metelen ins Münsterland.

Hier schimmern dicht gewebte soziale, geschichtliche, räumliche Beziehungen wie in einem Stück Brokat auf. Metelen schillert vor verwobenen, manchmal auch widersprüchlichen Fäden einer gewachsenen Ordnung, mit Spuren aus jeder Epoche, aber keiner Brache. Es gibt hier besonderen Reichtum und wirtschaftliche Probleme. Diese könnten dazu führen Brachen zu schätzen.

Das Geschenk für Metelen sollte ein Ort für noch unbestimmte Ideen sein, ein "denkenergie kraftwerk für alle" zu diverser Nutzung. In den Köpfen der Menschen die sein virtuelles Entstehen mit begleitet haben ist es präsent, sie beschreiben seine Facetten im Projektvideo. Aufzeichnungen der vielen Gespräche, in denen die Idee des dekfa der/dem Nächsten erklärt und so bei jedem weitererzählen immer wieder angereichert wurden sind als Handbuch zum dekfa 2013 im Verlag des Klosters Bentlage erschienen. Die Hardware wartet noch auf einen guten Ort, an dem sie von Vielen genutzt werden kann.

erster virtueller Standort, das dekfa auf Ellings Wiese.

Hinter dekfa verbirgt sich zum einen als „Hardware“ eine Konstruktion, die wie eine Plattform anmutet. Es handelt sich um einen bis 90 cm hohen Körper mit unregelmäßig auf- und absteigender Oberfläche aus Robinienholz, der auf „Ellings Wiese“installiert werden soll. Begehen, Spielen oder Sitzen sind ausdrücklich erwünscht.

dekfa ist als partizipatorisches Projekt zur Umsetzung einer gemeinschaftlichen Idee für die Bürgerinnen und Bürger von Metelen gedacht. Diese Idee kann zum Beispiel sein: Die Vision einer lebenswerten Zukunft (Idee der mittleren Generation), ein selbst entworfener Spielplatz (Idee der Kinder), finanzielle Unabhängigkeit (Idee des Bürgermeisters), ein Treffpunkt am Wasser als Ersatz für das Schwimmbad (Idee der Jugendlichen).

Die Skulptur ist die Hardware. Basis der Ideenentwicklung ist die Kommunikation der Menschen, das Verständnis füreinander, das Wahrnehmen von Potenzialen, von Begegnungen und Synergie. Verschiedene Bevölkerungsgruppen stellen moderiert die Fragen nach Zusammenleben, nach Energie und Wandel, nach Ideen für die ökonomische und soziale Zukunft.

Das Projekt ist Teil von "Kritische Masse - Labor Münsterland" auf Einladung von Frau Dr. Andrea Brockmann, Galerie Münsterland e.V.

viele Menschen

Entwurf für einen Ort, der die Füße bei jedem Schritt verwundert

benutztes dekfa mit menschen seitlich

Metelner Brokatstoff seitlich betrachtet mit dekfa - Gesprächen



Kritische Masse

Seit dem Jahr 2011 beschäftigen sich verschiedene Kunst- und Kulturinstitutionen im Münsterland mit dem gesamtgesellschaftlich relevanten und akut wichtigen Thema Energie: Das Kunstmuseum Ahlen, die Kunsthalle Münster, der Westfälische Kunstverein, der Kreis Steinfurt, das Museum Kloster Bentlage, die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen und der Kunstverein Galerie Münsterland. Das Gesamtprojekt will mit künstlerischen Strategien und Mitteln eine kritische Befragung des Themas Energie im Münsterland durchführen und mit ästhetischen Mitteln deren zentrale Stellung für die Zukunft bewusst machen. Untersuchungsgegenstand sind die disparaten und divergenten Energie-Identitäten des Münsterlandes: vom Windrad über Biomasse, von Kohle bis zum Atomzwischenlager. Eine angestrebte Wirkung des Projektes ist die Schaffung und Fortführung eines öffentlichen Diskurses zum Thema Energie, welches eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft darstellt. Die zentrale Fragestellung des Gesamtprojektes lautet: Was passiert, wenn Künstler sich mit Energiefragen auseinandersetzen?

Betritt man das dekfa so finden die Füße bei jedem Schritt eine andere Richtung. Bewegung initiiert Denken. Gedankengänge entwickeln sich in der Bewegung, im unregelmäßigen, den Körper überraschenden Auf und Ab des Plateaus. Jeder Schritt erfordert eine neue Balance. Diese Konstruktion soll aber nicht (ausschließlich) als „Spielgerät“, als Zeitvertreib, zum Abhängen genutzt werden, sondern bewusst als „therapeutical sculpture“. Sie soll durch ihre Lage und durch ihre Beschaffenheit und eigene Strahlkraft ein anziehender Treffpunkt sein. Das dekfa ist ein Angebot, das sich an die Bürgerinnen und Bürger aber auch an die Radfahrer entklang der Vechte richtet, allein, zu zweit, zu vielen hierher und miteinander ins Gespräch zu kommen und konkrete Visionen für ihren Ort zu entwickeln. Wie bei jeder Software gibt es natürlich auch hier ein Handbuch, dass die Bedienung erleichtert.

Entgegen des Trends der Individualisierung und der “Internetisierung”, die immer stärker den Rückzug ins Private, Abkapselung und die damit einhergehenden sozialen Vereinsamung bedeuten, stellt das „dekfa“ einen bemerkenswerten Versuch dar, Menschen zusammen zu bringen, den Alltag und die alltägliche Perspektive zu verlassen und an einem gemeinsamen Ort zu sprechen, zu diskutieren, sich auszutauschen. Ein Ort, der zu einer Art Forum, Treffpunkt, öffentlicher Diskussionsraum, Bühne werden kann, ein zentraler Ort (wie in der Antike das Forum als politisches und juristisches Zentrum) von Gemeinschaft, und das generationsübergreifend. Das „dekfa“ vermag es, unsere Alltagspraktiken zu hinterfragen, zu reflektieren – und auch zu ändern! Das „dekfa“ vermag spezifische Erfahrungen zu generieren und Erlebnisse hervorzurufen, die sich unmittelbar auf den individuellen Lebensalltag auswirken, zu dem unumgänglich und in immer stärkerem Maße die Energiefrage gehören wird.

Dr. Andrea Brockmann

 

Knetmodell dekfa