Ute Reeh

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Durch die Sichtweise zeitgenössischer Kunst schaffen Kinder und Jugendliche der Alfred-Herrhausen-Schule neue Perspektiven für sich und für die Menschen in einem städtebaulich isolierten Brennpunkt im Düsseldorfer Süden. Im Zentrum steht dabei die Idee der Kinder und Jugendlichen, in ihrem, ehemals für obdachlose Familien konzipierten Viertel, ein Café zu planen, zu bauen und zu betreiben.

Nach einem ermutigenden Bauprojekt (Terrasse an der Alfred-Herrhausen-Schule; ausgezeichnet mit dem Schulbaupreis NRW 2013) sehen die Kinder ihr Viertel mit anderen Augen. Im Dreieck zwischen Schnellstraße, Autobahn und Gewerbe entsteht das Bedürfnis nach einem offenen Ort, an dem man etwas essen kann, sich selbst einen Praktikumsplatz schafft und an dem die Qualitäten der Menschen und ihre Geschichten sichtbar werden.

Wieso Ghetto? Auf der Wiese kreuzen sich alle Wege

Als Künstlerin ermutige ich die Kinder und Jugendlichen ihren eigenen Beobachtungen und Impulsen zu vertrauen und begleite sie dabei, diese zu zeichnen und zu modellieren. So vorbereitet gehen sie in den Austausch mit ArchitektInnen, PlanerInnen, PolitikerInnen, der Verwaltung und GastronomInnen. Zu meiner Funktion gehört es zu sehen, zu ermöglichen und zu verstärken. Zusammen mit den Kindern und Jugendlichen integriere ich möglichst alle Vorschläge hin zu einer Vision in der auch weitere Ideen Raum finden.

Sozial geschieht dabei Ungewöhnliches. Da beide Seiten gewinnen und Ideen und Qualitäten entstehen, die die keiner der beteiligten Fachleute allein gefunden hätte, kommt es zum Austausch auf Augenhöhe und gegenseitiger Wertschätzung. Die Kinder werden sich ihrer Fähigkeiten bewusst und entwickeln sie weiter.

Schon der Probebau aus Latten und Folie ist wunderschön

In der Zusammenarbeit und Umsetzung entsteht eine beeindruckende Schönheit in der Material- und Farbwahl, in der Formsprache des Raums. Das liegt an der mit jedem Realisierungsschritt wachsenden Dichte und Komplexität. Bisherige Schritte der Umsetzung waren: 1:1 Café aus Latten und Folie, die Präzisierung des Grundrisses und der Raumaufteilung, Lehmbankbau als Materialtest und erster Schritt der Umsetzung,Herstellen und Farbgestaltung aller Fliesen für Küche und sanitäre Räume, erfinden und Bau von Möbeln aus Eschenholz.

Besonderer Wert kommt den Materialien zu: Auf einer Bodenplatte aus Sichtbeton entsteht ein Lehmbau in zeitgenössisch abgewandelter Wellerbautechnik.

Der Formgebungsprozess wird sich über die Einweihung hinaus mit einem Artist in Residence-Programm für mit partizipativen Prozessen arbeitende zeitgenössische Künstler und Architekten fortsetzen.

Vom gemeinsamen Verändern des scheinbar Aussichtslosen

Die beschriebene Zusammenarbeit führt dazu, dass Menschen neue, komplexe Beziehungen und Formen des Miteinanders über die üblichen Grenzen hinweg eingehen.

Vernetzung in der Stadt: Die "Baustelle Wiesencafé" in der Kunstsammlung NRW lädt alle Familien der Stadt ein, mit zur Gestaltung der Lehmwände beizutragen.

Vernetzung über die Stadt und Landesgrenzen hinaus: Kinder, ihr Lehrer und ein Lehmbauspezialist aus Wittenberge in Brandenburg, berieten und halfen beim Lehmbankbau und sind seitdem eingebunden.

Länderübergreifende Zusammenarbeit: Das Gebäude soll 2018 in einer internationalen Sommerakademie zusammen mit AnwohnerInnen, Kindern und Jugendlichen, Spezialisten für Wellerbau zusammen mit Fachleuten für Lehmbau aus Berlin, Brandenburg, Dresden, sowie von der TU Wien und den Hochschulen Münster und Düsseldorf erbaut werden.